Was Keyword-Recherche ist, und was nicht
„Keyword recherche“ wird in Deutschland 1.300-mal im Monat gesucht. Viele Anleitungen beginnen mit einem kostenpflichtigen Tool und enden mit einer Tabelle aus Hunderten Begriffen. Für einen Malerbetrieb, eine Steuerkanzlei oder einen kleinen Onlineshop ist das der falsche Anfang: Die Frage ist nicht, welche Wörter es gibt, sondern welche davon Menschen tippen, die bei Ihnen kaufen würden, und welche Seite Ihrer Website sie beantwortet.
Google beschreibt das Problem in seinem SEO-Startleitfaden selbst: „Nutzer, die viel über ein Thema wissen, verwenden in ihren Suchanfragen wahrscheinlich andere Keywords als jemand, der mit dem Thema noch nicht vertraut ist.“ Das Beispiel von Google: „Manche Nutzer könnten beispielsweise nach „Wurstplatten“ suchen, während andere nach „Käseplatten“ suchen.“ Der Fachmann sagt „Fassadenbeschichtung“, die Kundin sucht „Hauswand streichen lassen“. Keyword-Recherche bedeutet, die Sprache der Kundin zu finden, nicht Ihre.
Google nimmt dabei Druck heraus: Es ist „kein Grund zur Beunruhigung, wenn du nicht jede Variation dessen, wie Nutzer nach deinen Inhalten suchen könnten, vorhersiehst“, denn die Systeme von Google verstehen, wie sich deine Seite auf viele Suchanfragen bezieht, auch wenn du die genauen Begriffe darin nicht explizit verwendest. Sie brauchen also nicht jede Schreibweise auf eine eigene Seite zu setzen, sondern die wichtigen Themen in klaren Worten.
Schritt 1: Die Wörter Ihrer Kunden sammeln
Die erste Quelle kostet nichts und liegt bereits vor Ihnen: Anfragen per E-Mail, Notizen aus Telefonaten, Formulare auf der Website, Fragen im Laden oder auf der Baustelle. Notieren Sie einige Wochen lang die genauen Formulierungen, nicht Ihre Zusammenfassung davon.
- Leistung in Kundenworten: „Bad sanieren“ statt „Sanitärinstallation“, „Steuererklärung machen lassen“ statt „Einkommensteuerdeklaration“.
- Ort: Stadt, Stadtteil oder Nachbarort, so wie Kunden ihn nennen.
- Anlass und Dringlichkeit: „Rohrbruch“, „vor dem Einzug“, „bis Jahresende“.
- Fragen vor dem Kauf: Kosten, Dauer, Ablauf, Förderung, Unterschied zwischen zwei Lösungen.
Diese Liste ist Ihr Ausgangspunkt. Alle Tools danach dienen nur dazu, sie zu prüfen und zu ergänzen.
Schritt 2: In der Google Search Console sehen, wofür Sie schon erscheinen
Laut Google ist die Search Console ein kostenloser Dienst von Google. Ihr Leistungsbericht zeigt standardmäßig die Klicks und Impressionen der letzten drei Monate. Mit der Dimension „Suchanfragen“ werden die Daten nach der Suchanfrage gruppiert, die Nutzende eingegeben haben: Das sind keine geschätzten Volumen, sondern echte Suchen, bei denen Ihre Website erschienen ist.
Achten Sie vor allem auf zwei Spalten. Impressionen: „So oft ist Ihre Website in den Google-Suchergebnissen erschienen.“ Und die durchschnittliche Position, laut Google „Die durchschnittliche Position des höchsten Ergebnisses Ihrer Website“. Suchanfragen mit vielen Impressionen, aber einer Position weit hinter der ersten Seite sind Ihre besten Kandidaten: Google verbindet Sie bereits mit dem Thema, die passende Seite fehlt oder ist zu dünn.
Die Search Console zeigt aber nicht alles. Auf unseren eigenen Websites war zwischen dem 20. Juli 2026 und dem 17. Oktober 2026 die Suchanfrage nur für 7 % der Klicks sichtbar; den Rest blendet Google aus, weil die einzelnen Suchen zu selten sind. Eine neue Website ohne Impressionen findet hier noch wenig: Dann tragen die Schritte 1, 3 und 4 die Recherche.
Schritt 3: Die Vorschläge der Google-Suche nutzen
Tippen Sie Ihre Leistung in das Suchfeld, ohne Enter zu drücken, und notieren Sie die Vervollständigungen. Google schreibt dazu: Sobald Sie mit der Eingabe beginnen, spiegeln die automatisch vervollständigten Suchanfragen tatsächliche Suchanfragen bei Google wider. Berücksichtigt werden unter anderem die Sprache der Suchanfrage, der Ort, von dem aus eine Suchanfrage gemacht wird, der Trend (Popularität) einer Suchanfrage.
Für die Recherche heißt das: Suchen Sie aus Ihrer Region und auf Deutsch, damit die Vorschläge zu Ihrem Markt passen, und probieren Sie Ihre Leistung mit einem Fragewort davor („was kostet“, „wie lange“, „wer“) oder mit einem Ort dahinter. Scrollen Sie dann im Ergebnis nach unten: Ähnliche Suchanfragen und Fragen anderer Nutzer liefern weitere Formulierungen.
Eine Grenze nennt Google selbst: „Vervollständigungen sind keine Annahmen von Fakten oder Meinungen.“ Ein Vorschlag sagt, dass Menschen so suchen, nicht wie viele und nicht, ob sie kaufen wollen.
Schritt 4: Das Suchvolumen im Keyword-Planer prüfen
Der Keyword-Planer erleichtert Ihnen die Suche nach Keywords für Ihre Suchkampagnen, so Google. Gebaut ist er für Anzeigen, für die Keyword-Recherche ist er trotzdem nützlich: Google beschreibt ihn als Werkzeug, mit dem Sie Schätzungen zur Anzahl der Suchanfragen pro Monat für ein Keyword ansehen können, und zeigt dazu die durchschnittlichen Kosten für die Auslieferung Ihrer Anzeige bei Suchanfragen mit einem bestimmten Keyword. Ein hoher Klickpreis ist ein brauchbares Signal: Wenn Firmen für ein Wort viel bezahlen, spricht das dafür, dass es Kunden bringt.
Voraussetzung ist ein Google-Ads-Konto. Google schreibt: „Geben Sie dazu Ihre Zahlungsinformationen ein“, bevor Sie Keyword-Ideen erhalten.
- „Neue Keywords entdecken“: Geben Sie Wörter und/oder Websites mit Bezug zu Ihrem Unternehmen ein, um Keyword-Ideen zu sehen. Geben Sie hier die Wörter aus Schritt 1 ein, nicht Ihre Fachbegriffe.
- „Suchvolumen und Prognosen abrufen“: Laden Sie Ihre gesammelte Liste hoch und sehen Sie, welche Formulierungen tatsächlich gesucht werden.
- Standort und Sprache prüfen: Für einen Betrieb in Freiburg ist das Volumen in ganz Deutschland wenig aussagekräftig; wählen Sie die Region, die Sie bedienen.
- Die Liste filtern: nach Wettbewerb, Anteil an möglichen Impressionen und Keyword-Text, so Google. Streichen Sie Begriffe, die zu einer anderen Leistung oder zu Jobsuchen gehören.
Schritt 5: Die Suchintention prüfen, bevor Sie schreiben
Das Volumen sagt, wie oft gesucht wird, nicht was die Person will. Geben Sie jedes Kandidaten-Keyword selbst bei Google ein und schauen Sie, was auf der ersten Seite steht. Das ist die zuverlässigste Auskunft darüber, welche Art von Antwort Google für passend hält.
- Karte mit Betrieben und Bewertungen: Die Suche ist lokal. Hier zählen Ihr Google-Unternehmensprofil und eine Leistungsseite mit Ort.
- Ratgeber und Erklärungen: Die Person will verstehen, noch nicht kaufen. Hier passt ein Artikel, der die Frage im ersten Satz beantwortet.
- Shops und Produktseiten: Die Person will kaufen. Ein Ratgebertext passt hier schlecht.
- Vergleiche und Preise: Die Person entscheidet gerade. Eine Seite mit Ablauf, Richtpreisen, wenn Sie welche nennen, und Belegen trifft diese Absicht.
Zeigen zwei Ihrer Keywords auf der ersten Seite weitgehend dieselben Ergebnisse, hat Google sie als dieselbe Absicht verstanden: Sie gehören auf eine Seite.
Schritt 6: Eine Seite pro Thema festlegen
Am Ende steht keine Keyword-Liste, sondern eine kleine Tabelle: in der ersten Spalte das Thema in Kundenworten, daneben die Varianten aus den Schritten 2 bis 4, dann die Suchintention und die eine Seite, die das Thema beantwortet. Gibt es diese Seite noch nicht, ist das Ihre nächste Seite. Gibt es zwei, die dasselbe Thema behandeln, führen Sie sie zusammen, statt sie gegeneinander antreten zu lassen.
Dann gehört das Wort dorthin, wo Google und Kunden es lesen: in den Seitentitel, die Hauptüberschrift und den ersten Satz. Hier liegt der häufigste Fehler. Von den 2.747 Websites französischer Unternehmen, die wir analysiert haben, haben 41 % keinen Seitentitel mit 25 bis 65 Zeichen, und 45 % keine eindeutige H1, die sagt, was das Unternehmen verkauft. Für deutsche Websites haben wir keine eigenen Zahlen erhoben, das Muster ist aber dasselbe: Die beste Recherche nützt nichts, wenn die Seite das Wort des Kunden nicht nennt.
- Startseite: Ihr Gewerbe und Ihr Ort, so wie Kunden suchen.
- Eine Seite pro wichtiger Leistung, jeweils mit eigenem Titel und eigener H1.
- Eine Ratgeberseite pro häufiger Kundenfrage, verlinkt mit der passenden Leistungsseite.
- Nach einigen Wochen in der Search Console prüfen, für welche Suchanfragen jede Seite erscheint, und nachschärfen.
Unsere Einschätzung
Für einen kleinen Betrieb lohnt sich kein Abo eines Keyword-Tools, bevor die ersten fünf, sechs Leistungsseiten stehen: Die Wörter aus Kundenanfragen und die Suchanfragen in der Search Console sind präziser als jede Datenbank, weil sie von Ihren tatsächlichen Kunden stammen. Wir würden mit der Leistung beginnen, die den meisten Umsatz bringt, ihre Formulierung im Keyword-Planer und in der Google-Suche gegenprüfen und genau eine Seite dafür bauen. Die Falle, vor der wir warnen: für jede Schreibweise eine eigene Seite anzulegen; damit machen Sie sich selbst Konkurrenz.
Die Redaktion von FindMyCompany
Häufige Fragen
Wie mache ich eine Keyword-Recherche kostenlos?
Sammeln Sie die Formulierungen aus Kundenanfragen, lesen Sie im Leistungsbericht der Google Search Console, für welche Suchanfragen Ihre Website bereits erscheint, und notieren Sie die Vorschläge der Google-Suche. Die Search Console ist laut Google kostenlos. Für Suchvolumen nutzen Sie den Keyword-Planer von Google Ads, der ein Ads-Konto mit Zahlungsinformationen voraussetzt.
Wie viele Keywords pro Seite?
Ein Thema pro Seite, mit seinen natürlichen Varianten. Google versteht nach eigenen Angaben, wie sich eine Seite auf viele Suchanfragen bezieht, auch ohne die genauen Begriffe. Eine eigene Seite pro Schreibweise erzeugt Dubletten.
Was brauche ich für den Keyword-Planer?
Ein Google-Ads-Konto. Google verlangt, die Kontoeinrichtung abzuschließen und Zahlungsinformationen einzugeben, um Keyword-Ideen zu erhalten. Danach können Sie neue Keywords entdecken oder eine eigene Liste hochladen und Suchvolumen und Prognosen abrufen.
Lohnt sich ein Keyword mit wenig Suchvolumen?
Oft ja, wenn die Absicht passt. Ein lokaler Betrieb gewinnt eher mit präzisen Suchen nach Leistung und Ort als mit allgemeinen Begriffen. Ob ein Keyword Besucher bringt, zeigt erst die Search Console, nachdem die Seite online ist.
Was ist Suchintention?
Das, was die suchende Person erreichen will: etwas verstehen, einen Betrieb in der Nähe finden, ein Produkt kaufen oder Angebote vergleichen. Sie erkennen sie am schnellsten an der Art der Ergebnisse auf der ersten Google-Seite.